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Reptilien im Viehstrich

Der Beitrag zum Thema "Reptilien im Viehstrich" besteht aus Beobachtungen und Anekdoten von Storchenvereinsmitgliedern und aus mündlich übermittelten Informationen des Reptilien-Fachmanns Dr. Michael Waitzmann (Landesanstalt für Umwelt, Griesbachstr. 3, 76185 Karlsruhe). Herr Waitzmann hat in der Steinfelder Wiesentalhalle einen Diavortrag über "Reptilien in der Südpfalz" gehalten. Bei allen allgemeinen Aussagen zu den behandelten Schlangen und Eidechsen wurde auf das sehr umfangreiche Quellenmaterial des Buches "Die Amphibien und Reptilien Deutschlands" (Hrsg.: Rainer Günther, G. Fischer Verlag, Jena, 1996, 825 S.) zurückgegriffen.
 

Richtiges Datenmaterial aus dem Viehstrich existiert leider noch nicht aber vielleicht werden die Internetseiten von interessierten Herpetologen gelesen, die den Bienwald(rand) einmal unter die Lupe nehmen möchten.

 

Ringelnatter (Natrix natrix)

Wer im Sommerhalbjahr entlang der Bäche ("Flutgräben", -> Naturschutzkonzept: "Der verkrautete Bach";) oder an Stillgewässern des Wiesentals spazieren geht, wird dort wahrscheinlich Ringelnattern begegnen. Auch im Bienwald kommen Ringelnattern an lichten Stellen in Gewässernähe vor. Die Chance, eine Schlange beim Sonnenbaden zu entdecken, stehen am besten, wenn es eine Weile kühl war und sich dann die Sonne zeigt. Auch in Gärtern am Bach kann man mit Ringelnattern rechnen.

Bachanrainer in der Steinfelder Riedstraße gegenüber der Wiesentalhalle waren deutlich beunruhigt, als sie in ihrem Hausgarten eine bedrohlich große Schlange unter einer Zuccini-Pflanze entdeckten. An das Mittagessen in Form einer gebackenen Zuccini war an diesem Tag nicht mehr zu denken, zumal die Schlange laut zischte, sobald man näher als einen Meter an sie herankam. Erst als die eilig angeforderte Hilfe von Seiten des Storchenvereins eintraf und den Garteninhabern glaubhaft versicherte, daß es in Rheinland-Pfalz keine Giftschlangen gibt, und es sich bei ihrer Schlange um eine Ringelnatter handelte, legte sich die Aufregung.
Das 1,20 lange Tier gehörte zur in Südwestdeutschland vorkommenden Unterart Natrix natrix helvetica mit Reihen von querverlaufenden Flecken an der Körperseite und verhältnismäßig blassgelben Flecken im Nacken. Im Viehstrich wurden aber auch rein graue Ringelnattern mit dem typischen, kontrastreichen Halsornament, gelbe Elysen mit schwarzen Halbmonden (=Natrix natrix natrix) gefunden. Die beiden Areale der beiden in Deutschland vorkommenden Unterarten der Ringelnatter stoßen in einer Übergangszone am Rhein aufeinander.


Natrix natrix natrix
(Quelle: Dr. M. Waitzmann)
Natrix natrix helvetica
(Quelle Dr. M. Waitzmann)

 

In Baden kennt man Natrix natrix natrix, im Saarland Natrix natrix helvetica. In der Südpfalz existieren neben beiden Unterarten auch Übergangsformen. Schwärzlinge wurden im Viehstrich dagegen nicht nachgewiesen.

Zur Eiablage benötigen Ringelnattern besonnte faulige Substrate, in denen sich erhöhte Temperaturen entwickeln können, In den bereits mehrere Jahre liegenden Haufen aus Totholz auf dem „6-Teiche-Grundstück“ des Storchenvereins konnte die Eiablage in 40 cm Höhe in einem modrigen Holzstamm beobachtet werden.

Laut Literatur ernähren sich Ringelnatter von Amphibien. Ein Vorstandsmitglied des Vereins (M. Fassen) wurde an einem Amphibienteich durch sehr laute und ungewöhnliche Rufe darauf aufmerksam, wie ein (grüner) Teichfrosch mit den Hinterbeinen voran von einer Ringelnatter verschlungen wurde. Am Flutgraben K4 (-> Vereinskonzept > "Der verkrautete Bach";), der zwischen den zwei angelsportlich genutzten "Panzergräben" kommuniziert, scheinen (schienen) sich die Ringelnattern vorwiegend von Fischen zu ernähren. Fröschen begegnete man dort selten.

Wie bereits erwähnt , wird das Storchennest auf der Wiesentalhalle (-> Weißstörche) von einer Video-Kamera überwacht, mit deren Hilfe der 2. Vorsitzende auf einem Bildschirm die im Nest ausgewürgten Futtertiere bestimmen kann (-> Storchennest). Schlangen waren bisher während der Beobachtungszeiten noch nicht dabei. Die den Jungstörchen angebotene Kost bestand bisher vorwiegend aus Regenwürmern, Schnecken, Insekten, Molchen und Kleinsäugern.

 

Schlingnatter (Coronella austriaca)

Die Schlingnatter findet man im Viehstrich weniger häufig vor als die Ringelnatter, was allerdings an der versteckteren Lebensweise liegen mag. Wie die mit Genehmigung des Fischer-Verlags gezeigte Verbreitungskarte verdeutlicht, hat die Schlingnatter in der Pfalz und in Baden ihren Verbreitungschwerpunkt in Deutschland.

Verbreitungsgebiet der Schlingnatter
Quelle: Dr. Günther Rainer, "Die Amphibien und Reptilien Deutschlands, Gustav Fischer Verlag, 1996, S. 637, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin

Diese Schlange stellt somit ein sehr charakteristisches Faunenelement des Viehstrichs dar, das geschützt und unter allen Umständen gefördert werden sollte. Die Schlange bleibt mit einer maximalen Länge von ca. 75 cm deutlich unter dem Format einer ausgewachsenen Ringelnatter. Der Körper zeigt normalerweise eine bräunlichen Farbe. Auf der Kopfoberseite erkennt man einen nach vorne zeigenden Pfeil mit ein oder zwei unterschiedlich weit bis zum Hals reichenden Schenkeln. Beidseitig am Kopf beginnt vor dem Auftraggeber ein sehr charakteristischer Streifen, der sich unterschiedlich weit nach hinten fortsetzt. Den Körper ziert ein Muster aus dunkelbraunen Punkten, das manchmal als Zickzacklinie fehlinterpretiert wird (Es gibt im Gebiet aber keine Kreuzottern!).
Interessanterweise wurden südlich von Steinfeld mehrfach rein schwarz gefärbte Schlingnattern beobachtet. Das Phänomen der Schwärzlinge ist von Kreuzottern wohl bekannt, und auch bei Ringelnattern kommen ab und zu schwarz gefärbte Exemplare vor.

Schlingnatter in typischer Zeichnung, die in Ufernähe eines Amphibienteiches,südliche von Steinfeld ein morgendliches Sonnenbad nimmt Schlingnatter-Schwärzling
Man erkennt trotz der fehlenden Körperzeichnung den charakteristischen Seitenstreifen am Kopf (Gleiches Biotop wie bei der normalgefärbten Schlingnatter links

Das hier gezeigte Bild eines Schlingnatter-Schwärzlings (siehe auch -> Vereinskonzept) dokumentiert die bisher einzige bekannte schwarze Schlingnatter (Weitere Einzelheiten zum Thema können bei Herrn Dr. Waitzmann (Tel. 0721/867416) erfragt werden .

Schlingnattern sind lebendgebährend und somit bei ihrer Vermehrung nicht auf Fäulniswärme angewiesen. Bei dem hier gezeigten Schwärzling handelt es sich um ein trächtiges Weibchen kurz vor der Geburt von Jungtieren.

Der Lebensraum der Schlingnatter besteht aus einem feingerasterten Mosaik unterschiedlicher Biotoptypen und Vegetationsstrukturen, das Gebüsch, Steinhaufen, liegendes Totholz und ähnliche Bodenunebenheiten als Sonnplätze bzw. Verstecke umfassen sollte (siehe oben erwähntes Buch und -> Naturschutzkonzept des Storchenvereins). An den Amphibienteichen des Storchenvereins findet man die Schlangen oft in unmittelbarer Nähe zur Wasserlinie, wo sie auf dem kiesig-sandigen Untergrund in der Deckung durch Pflanzen Sonnenbäder nehmen.


 

Andere im Viehstrich vorkommende Reptilien

Im Bienwald kann man an lichten Stellen der in Deutschland weit verbreiteten Waldeidechse begegnen. Am Waldrand und auf den Grundstücken des Storchenvereins kommen noch (oder wieder) Zauneidechsen (Lacerta agilis) vor.

 

Männliche Zauneidechse (Lacerta agilis) im Brautkleid
(Quelle: Dr. M. Waitzmann)


Auf dem vom Verein betreuten Sandbuckel am Wasserwerk von Kapsweyer wurden wiederholt weibliche Tiere bei der Eiablage im noch warmen Sand beobachtet. Männliche Tiere im Brautkleid (Kopf und Brust kräftig grün) kann man ab und zu beobachten. Die auffallende smaragd-grüne Färbung dieser Tiere führt oft zu Verwechslungen mit der Smaragdeidechse, die es in der Südpfalz allerdings nicht gibt und in diesem bzw. dem letzten Jahrhundert wohl auch nicht gab.

Laut Aussage alteingesessenen Bevölkerung soll es bis in die 70er Jahre hinein in den Gärten der Dörfer und in der offenen Landschaft große Bestände der Zauneidechse gegeben haben.

Das weitgehende Verschwinden dieser „Leitart“ im Siedlungsbereich und in der Agrarlandschaft wird von der Bevölkerung immer wieder in Zusammenhang mit der Bejagung durch Hauskatzen gesehen. Da es die Hauskatze aber seit alters her in den Dörfern gibt, muß man die Ursache für das weitgehende Verschwinden der Zauneidechse eher in der Ausräumung der Landschaft und im Biozideinsatz in der Landwirtschaft sehen (-> Vereinskonzept.)

Wer Mauereidechsen (Podacris muralis) sehen möchtwe, sollte die Burgruinen im und am Pfälzer Wald besuchen. Burg Landeck z.B. liegt etwa 15 km von Steinfeld entfernt. Die Mauereidechse hat innerhalb Deutschlands ihren Verbreitungsschwerpunkt in Rheinland-Pfalz. Im Schwemmland des Bienwalds und des Viehstrichs fehlen die benötigten primären und sekundären Felsbiotpe. Über das derzeitige Restvorkommen von Smaragdeidechsen (Lacerta bilineata) gibt das eingangs erwähnte Buch Auskunft. Vom Viehstrich aus ist man mindestens eine Stunde nordwärts unterwegs, um an eine Restpopulation dieser eindrucksvollen Echse zu gelangen.

Blindschleichen (Anguis fragilis) sind dagegen im Viehstrich und im Bienwald verbreitet. Auf dem "Deutsch-Französischen Radweg", auf anderen Kieswegen und auch an den Asphaltstraßen durch den Wald kann man ständig überfahrene Tiere finden, was ähnlich wie beim Igel für die weiterhin hohe Populationsdichte dieser Art spricht.

Immer wieder berichten ältere ortsansässige Menschen von früherem Vorkommen der Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) an Gewässern im und am Bienwald. Im Storchenverein konnte man darüber aber nichts in Erfahrung bringen und auch die einschlägige Literatur gibt hierzu keine Auskunft.

Die gleichen fünf Reptilienarten, die hier fÜr den Viehstrich gemeldet werden, finden sich auch in der Lauterniederung am südlichen Rand des Bienwaldes (Daten von Simon, 1985; in: "Grenzüberschreitende Entwicklungskonzeption PAMINA", Band 1, Oktober 1992, IUS Weisser & Ness GmbH Kandel)
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