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Vortrag in Rheinstetten vom 16.05.2002

Berichte über den Verein sowie über Umwelt- und Naturschutz

Vortrag vom Vereinsvorsitzenden Prof. H. Taraschewski
anlässlich einer Tagung in Rheinstetten (Mai 2002)
im Rahmen der Aktion "Leben braucht Vielfalt"

 

Lebensraumschutz: Das rheinland-pfälzische Weißstorchdorf Steinfeld

Prof. Dr. Horst Taraschewski, Zoologisches Institut der Universität Karlsruhe 1. Vorsitzender des „Vereins zum Schutze des Weißstorchs - Aktion für Biotop und Landschaftsschutz - Viehstrich e.V."

Die Wiesenlandschaft am nördlichen Rand des Bienwaldes in der Südpfalz nennt man traditionell „Viehstrich“. In dieser feuchten Niederung brüteten bis in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts mehrere Weißstorchpaare. Nachdem über drei Jahrzehnte lang keine Bruten mehr stattgefunden hatten, wurde 1989 der „Verein zum Schutze des Weißstorchs“ vom jetzigen 2. Vorsitzenden des Vereins, Frank Steigleder, in Vollmersweiler gegründet. Im Jahr 1995 wurde der Name des Vereins um den Zusatz „Aktion für Biotop- und Landschaftsschutz“ erweitert und der Vereinssitz ins nahe gelegene Steinfeld verlagert.

Der Verein verfolgt seither eine Doppelstrategie. Zum einen wird der Weißstorch gezielt gefördert. Zum anderen dient diese beliebte Schlüsselart auch als Zugpferd und Emotionsfänger für einen breit angelegten Natur- und Landschaftsschutz, von dem viele Pflanzen- und Tierarten profitieren.

Angestrebt wird eine reich gegliederte Mosaiklandschaft mit Feuchtwiesen, Teichen, Schilfflächen, Hecken, einzelnen Bäumen, trockenen Magerflächen, Abbruchkanten, Totholz, Kompost, Steinen und vielfältigen, großenteils extensiven Nutzungen durch den Menschen. Intensiv genutzte Flächen wie Maisäcker oder anthropogen gestaltete Gewässer mit Angelsport und Fischbesatz müssen dabei als Teil des Landschaftsbildes akzeptiert werden.

Durch die Ausbringung von Nestunterlagen und das Auswildern eines einzigen aus einer Aufzuchtstation stammenden Storchenpaares gelang es 1998 und in jedem folgenden Jahr, Weißstörche zur Brut im Viehstrich zu veranlassen. Die flügge gewordenen Jungvögel zogen stets Richtung Überwinterungsgebiet ab. Im Jahr 2001 z.B. brüteten in der Gemarkung Steinfeld und im angrenzenden Kapsweyer vier Storchenpaare, die sich von selbst angesiedelt hatten und schließlich 10 Jungvögel erfolgreich aufzogen. Das Brutpaar in Kapsweyer errichtete sein Nest sogar ohne weiteres Zutun auf einem stillgelegten Kamin eines Wohnhauses.

Der Steinfelder „Storchenverein“ legte ab 1995 15 Amphibienteiche an, die im Jahr 2001 im Rahmen einer Diplom- und einer Staatsexamensarbeit der Universität Karlsruhe zoologisch und botanisch untersucht werden konnten. In mehreren der Kleingewässer wurde z.B. der Große Wasserkäfer (Hydrous pirceus) nachgewiesen, außerdem mehrere Libellenarten der Roten Liste (siehe: www.storchenverein.de). Auch im botanischen Sinne erwiesen sich die Kleingewässer als sehr interessant. Unter den dokumentierten Rote-Liste-Arten befanden sich z.B. der Gemeine Wasserschlauch (Utricularia vulgaris), die Salzlunge (Samolus valerandi) und der Pillenfarn (Pilularia globulifera). Zur Zeit (Sommer 2002) wird die Amphibienfauna des Gebietes im Rahmen einer Staatsexamensarbeit untersucht, nach Abschluß dieser Erhebung sollen die mit Landespflegemitteln ausgehobenen Amphibienteiche bewertet werden. Auch gilt es, Empfehlungen für die Etablierung weiterer, öffentlich geförderter Kleingewässer auszusprechen, so daß Schutzmassnahmen für den Weißstorch auch zur Schaffung einer hohen Biodiversität und zum Vorkommen vieler Rote-Liste-Arten führen können.

Die derzeit 15 Teiche des „Steinfelder Storchenvereins“ befinden sich auf Flurstücken, die von der Gemeinde Steinfeld, dem Forstamt Schaidt und von Privatleuten angepachtet bzw. mit Mitteln der Stiftung „Natur und Umwelt“ (Mainz) gekauft wurden. Letztere Stiftung finanzierte auch verschiedene Geräte zur Pflege der betreuten Gewässer des Grünlandes zwischen den Teichen und von Trockenbiotopen, die der „Storchenverein“ von der Gemeinde Steinfeld und dem Forstamt Kandel zur Betreuung überlassen bekam. Der Gerätepark umfaßt z.B. einen Traktor mit Mähbalken, eine Schlammpumpe und eine Kettensäge. In der Gemeinde Steinfeld identifiziert man sich mit der Rolle, ein „Storchendorf“ zu sein und unterstützt die Arbeit des Vereins auf vielfältige Weise.

Der Verein sieht seine Aufgabe nicht nur im Storchenschutz und der Wiederherstellung von landwirtschaftlicher Sturkturvielfalt, sondern möchte die Bevölkerung auch aufklären, informieren und unterhalten. Es werden deshalb Storchenfeste mit wechselndem Programm, ökumenische Gottesdienste, Vogelstimmenwanderungen, Diaabende über wiesenbrütende Vögel oder Reptilien der Südpfalz als auch Biotopführungen angeboten. Die Termine werden in den regionalen Medien und über die Internet-Seiten des Vereins (www.storchenverein.de) angekündigt.

Darüber hinaus betreibt der Storchenverein auch für sich und sein gemeinnütziges Anliegen auf vielfältige Weise Reklame, wobei auch modernes, marktwirtschaftlich erprobtes Marketing zum Einsatz kommt. Die Internetseiten des Vereins umfassen auch einen Bestellkatalog, der z.B. Storchenverein, Ansichts- und Glückwunschkarten, Autoaufkleber oder Vereinsflaggen umfaßt. Der Wein kann auch bei den beiden Erzeugern direkt bezogen werden. Die Karten (30 Motive) kommen im August 2002 in den Handel.

Durch die Kombination von Elementen eines bodenständigem, traditionellen Storchenvereins, kombiniert mit einem wissenschaftlichen Naturschutzkonzept (Landschaftliche Strukturvielfalt, Naturschutz mit dem Storch als Galionsfigur) mit wissenschaftlicher Betreuung der neu etablierten Biotope und einem modernen Erscheinungsbild beschreitet der Verein zum Schutz des Weißstorchs in Steinfeld (Südpfalz) neue Wege und ist dabei bisher sehr erfolgreich (siehe www.storchenverein.de).

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