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"Die Rheinpfalz" vom 16.12.2001

Berichte über den Verein sowie über Umwelt- und Naturschutz


Biotope erleichtern Laubfrosch die Rückkehr in die Pfalz MINFELD: Ortsgruppe des Naturschutzverbandes legt Laichgewässer für das selten gewordene Tier an
FRITZ HOCK


Freudig überrascht war der Biotop­betreuer des Kreises Germersheim, Matthias Kitt, im letzten Jahr, als er in der Minfelder Gewanne "Auf der Almend" die weit vernehmbaren Rufe von mindestens 13 Laubfröschen (Hyla arborea) hörte.

Für Kitt war dies ein bemerkenswertes Erlebnis, zumal auch deshalb, weil der Bestand dieser vom Aussterben bedrohten Amphibienart in der letzten Hälfte des letzten Jahrhundertes sich doch ziemlich reduziert hatte. Weniger erfreulich war allerdings seine Feststellung, dass die Frösche ihren Laich in wasserführenden Ackerfurchen ablegten. Dies hatte zur Folge, dass dieser bei der Frühjahrsbestellung unbemerkt umgepflügt wurde.
 
Laichgewässer angelegt

Für die Ortsgruppe Minfeld im Natur­schutzverband Südpfalz war jetzt drin­gender Handlungsbedarf gegeben, wie Vorsitzender Werner Staat der RHEINPFALZ berichtete. 2001 schufen die Minfelder Naturschützer in der Gemarkung mit fachkundigem Beistand des Biotopbetreuers Kitt eine Flachwasserzone in der Größe von rund 900 Quadratmetern. Es entstand ein ideales Laichgewässer für den kleinsten einheimischen Frosch, der dank seiner Haftscheiben der einzige europäische Frosch überhaupt ist, der auch klettern kann. Obwohl er überwiegend nachtaktiv ist, so Werner Staat, sonne er sich gerne an Schilfhalmen und Blättern. Die in unmittelbarer Nähe des neuen Feuchtgebietes befindliche Vegetation bietet ihm hierfür auch aus­reichende Gelegenheit.

Finanziert werden konnte diese Maßnahme aus Mitgliedsbeiträgen des NVS (Naturschutzverband Südpfalz) und aus dem Erlös des Weihnachtsbaumverkaufes, den die Minfelder Ortsgruppe jedes Jahr durchführt.

Früher im Glas gehalten

Die Geschichte des Laubfrosches, der einst die Wiesentäler und Bachauen von der Rheinaue bis hin zum Rand des Pfälzerwaldes besiedelte, ist für Werner Staat sehr interessant. Seine Art sei so zahlreich gewesen, dass ihn viele Menschen in Gläsern mit Leiterchen als Wetteranzeiger hielten. Dies sei heute allerdings nicht mehr gestattet, aus Naturschutzgründen. In weiten Bevölkerungskreisen galt der Laubfrosch als ausgesprochener Sympathieträger. Erstaunlich sei es daher, dass sein Verschwinden in der Öffentlichkeit kaum Beachtung fand. Bis vor kurzem beschränkte sich sein Restvorkommen nur noch auf wenige Popula­tionen in den Rheinauen und an der unteren Lauter.

Die Minfelder VNS-Ortsgruppe bemüht sich seit vielen Jahren darum, der heimischen Landschaft ein Stück ihrer Ursprünglichkeit zurückzugeben. Maßgeblich unterstützt wird er hierbei vom Vorsitzenden des Naturschutzverbandes Südpfalz, Gerd Kümmel. Dieser hatte schon länger damit begonnen, das einstige Verbreitungsgebiet des Laubfrosches durch die Schaffung vernetzter Biotope wieder zu beleben.

Unter seiner Regie entstanden 25 größere Feuchtgebiete mit ausgedehnten Flachwasserzonen. Hierzu zählen in der Gemarkung Minfeld auch die Biotope in den Großwiesen (1992), in den Dierbachwiesen (1993) und im Kleinbrüchel (1998). Diese konnten mit finanzieller Unterstützung auch durch die Stiftung Naturschutz Rheinland-Pfalz angelegt werden.

Der Einsatz hierfür, so Staat, habe sich gelohnt. Früher als erwartet habe sich der Laubfrosch zurückgemeldet. Mindestens zwei Tiere rufen seit Frühsommer 1999 aus der Ufervegetation der Dierbachwiesenteiche. Selbst der vom Aussterben bedrohte Moorfrosch lasse dort wieder seine urigen Laute vernehmen. Auch Kammmolche und andere gefährdete Tierarten haben in diesem von Menschenhand geschaffe­nen Lebensräumen wieder eine Heimat gefunden, berichtet der VNS-Vorsitzende.

Auch Störche im Blick

Die Minfelder Ortsgruppe unterstütze daneben aber auch die Ansiedlung des Weißstorches. Ein Storchennest ist vorhanden und die Feuchtbiotope sollten dazu beitragen, dass sich "Freund Adebar" künftig wieder in Minfeld einfindet.

Neben dem sommerlichen Naturer­erlebnis möchte die VNS-Ortsgruppe der Minfelder Jugend aber auch im Winter eine Freude bereiten. Das flache Gewässer eigne sich nämlich viel besser zum Schlittschuhlaufen als die anderen Teiche, die wegen ihrer teilweise doch recht tiefen Zonen nicht ganz risikofrei seien, so Werner Staat.

Nachdem jetzt auch an einem der Feuchtbiotope des "Vereins zum Schutz des Weißstorches" in Steinfeld die Rufe eines Laubfrosches vernommen wurden, scheint es nach Ansicht von Staat eine gute Chance zu geben, den kleinen Frosch mit menschlicher Hilfe wenigstens in Teilen seines einstigen Lebensraumes wieder heimisch zu machen.
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