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"Die Rheinpfalz" vom 15.05.2002

Berichte über den Verein sowie über Umwelt- und Naturschutz

Im Bienwald ist die Welt noch halbwegs in Ordnung
Steinfeld: Vogelstimmen-Wanderung vermittelt Eindruck von Flora und Fauna -
                   Steigert Temperaturanstieg Artenvielfalt?

"Psst, bitte mal ruhig sein", ruft Rolf Wambsganß vom Naturschutzverband Südpfalz. Die Gespräche der knapp 50 Menschen verstummen schlagartig, alle lauschen aufmerksam. "Das ist der kurze, ziehende Ruf des Kernbeißers", identifiziert Wambsganß den Vogelgesang. Einigen ist der Kernbeißer bereits ein Begriff, andere hätten Schwierigkeiten, die Laute später wiederzuerkennen. Denn während der bevorstehenden zweistündigen Vogelstimmen-Wanderung durch den Bienwald bei Steinfeld wird Wambsganß auf eine Vielzahl von Gesängen aufmerksam machen. Für Nicht-Vogelkundige bedeutet das eine Menge neuer Eindrücke.

Die zahlreich auf dem Parkplatz des Steinfelder Schwimmbads Erschienenen haben sich bestens auf ihren naturkundlichen Sonntagsspaziergang vorbereitet: Sie tragen wasserabweisende Schuhe, haben Spazierstöcke und Regenschirme mitgebracht, viele haben einen Feldstecher oder einen Fotoapparat um den Hals hängen. "Wichtig ist es, sich leise zu verhalten", mahnt Rolf Wambsganß noch einmal. Schließlich sollen die "erlauschten" Vögel nicht verscheucht, sondern nach Möglichkeit auch beobachtet werden. Langsam setzt sich die Gruppe in Bewegung und folgt ihrem Wanderführer Richtung Westen.

Vom feuchten Waldweg aus biegen die Spaziergänger auf die Wiese am Südufer des Campingweihers ein. Hier hat der Steinfelder Storchenverein ein Trockenbiotop angelegt -nicht nur für Vögel ein idealer Lebensraum.

Wambsganß hebt eine Blindschleiche vom Boden auf und rettet sie damit davor, möglicherweise platt getreten zu werden. Dann deutet er auf die auf dem See schwimmenden Kanada-Gänse. Aus Amerika eingewandert vermehren diese sich in der Südpfalz nun prächtig, weiß der Fachmann zu berichten. Der sonore Klang ihres Rufes ist noch von weitem zu hören.

Das Vogelmännchen singt, um ein Weibchen anzulocken, gleichzeitig grenzt es so sein Brutrevier gegenüber männlichen Artgenossen ab, erklärt Wambsganß. Immer wieder unterbricht er sich selbst mitten im Satz, um einer neuen Vogelstimme zu lauschen. Dann imitiert und umschreibt er den Ruf, um es seinen Begleitern zu erleichtern, den Gesang ebenfalls zu identifizieren. Auch das Aussehen beschreibt Wambsganß detailliert und zeigt den Interessierten eine Abbildung im Vogellexikon. Um Erklärungen zu den Ursprüngen der Namen ist er ebenfalls nicht verlegen. Bussard beispielsweise setze sich aus den altdeutschen Wörtern Katze und Adler zusammen. "Er sieht aus wie ein Adler und klingt wie eine Katze", sagt der Vogelkenner und lässt seinen Blick zu dem am Himmel kreisenden Mäusebussard schweifen. "Buntspecht", ruft ein Teilnehmer plötzlich und deutet in die Richtung des Tieres. Eine von sieben Spechtarten, die im Bienwald vorkommen, ergänzt Wambsganß.

Immer wieder kommt der Vogelkenner auf die Dringlichkeit zu sprechen, den Lebensraum für Flora und Fauna naturnah zu belassen. Auch wenn Laub und Holz auf dem Waldboden "unaufgeräumt" aussähen -nur so entstehe die nötige Biomasse. Im Bienwald "ist die Welt noch einigermaßen in Ordnung", meint Wambsganß. Auswirkungen des weltweiten Temperaturanstiegs seien allerdings auch hier zu beobachten: Die Artenvielfalt habe sich durch nach Norden ziehende, eigentlich im Süden beheimatete Vogelarten vergrößert. In Zukunft würden manche Vögel im BienwaJd auch überwintern statt fortzufliegen. (nro)



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