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"Die Rheinpfalz" vom 04.02.2004

Berichte über den Verein sowie über Umwelt- und Natzurschutz

TROCKENBIOTOPE

Die vom Storchenverein betreuten Trockenbiotope werden zur Zeit wissenschaftlich untersucht. Über die Ergebnisse berichten wir demnächst. Vorerst kann man sich anhand eines Rheinpfalz-Artikel orientieren...

Rheinpfalz 04.02.2004, Im Blickpunkt

STEINFELD: Storchenverein erschließt sich mit Trockenbiotopen neues Aufgabengebiet

Mehr Artenvielfalt für schöne Landschaft


Ein Schwalbenschwanz auf einer Rispenflockenblume zwischen Steinfeld und Bienwald.      –Foto: Privat.

Im Naturschutz werde heutzutage die Strategie verfolgt, nicht nur besonders attraktive Spezies, wie den Weißstorch, zu fördern, sondern solche „Schlüsselarten“ als Sympathieträger für einen breit angelegten Biotop- und Landschaftsschutz einzusetzen, lenkt der Vorsitzende Horst Taraschewski den Blick auf ein neues Arbeitsfeld des in Steinfeld ansässigen Storchenvereins.

Angestrebt werde eine möglichst große Artenvielfalt, die dann auch den bekannten und beliebten Tierarten wie dem Weißstorch zugute komme, erklärt der Ökologe. Der Verein habe deshalb im Lauf der zurückliegenden Jahre 26 Amphibienteiche am nördlichen Bienwaldrand angelegt. Nun gehe es darum, auch die Trockenbiotope des Viehstrichs zu erhalten beziehungsweise wieder herzustellen.

Zurzeit betreut der Verein drei Trockenbiotope. Durch eine enge Verzahnung von wechselfeuchten und mageren, trockenen Bereichen könne eine besonders große Artenvielfalt erreicht werden. Während durch die Kleingewässer Frösche und Libellen gefördert würden, hätten direkt nebenan Heuschrecken und Sandlaufkäfer ihre artgerechte Heimat. Und der Storch stolziere durch beide Flächen mitten hindurch - wie man zwischen den beiden so genannten Campingweihern südlich von Steinfeld beobachten könne. Dort hat die Gemeinde dem Verein ein sandig-kiesiges Magerbiotop zur Pflege überlassen. Die aktiven Vereinsmitglieder halten das Gelände mit Hilfe offen.

Die Natur dankt es im Frühsommer mit einem kleinen Blütenmeer des seltenen Bergsandglöckchens. Im Juli/August folgt dann die hell-lila-blütige Rispenflockenblume, die in Deutschland nur an besonders heißen und trockenen Standorten des Oberrheingebietes vorkommt.

Zersägte Baumstämme wurden im Gelände zu Totholzhaufen aufgeschichtet, in denen unter anderem Hirschkäferlarven leben. Und für die Larven des ebenso großen und imposanten Nashornkäfers werden Haufen aus Eichenrindenmulch aufgeschüttet.

Dank dieser „Strukturvielfalt“, wie Tarascheweski das nennt, gebe es auch drei Arten von Eidechsen und zwei Arten (ungiftiger) Schlangen, zudem gebe es eine vielfältige Vogelwelt. Der Verein veranstaltet in diesem Bereich im Frühjahr und Sommer Vogelstimmenwanderungen und Insekten- und Kräuterführungen.

Für die Pflege eines anderen Trockenbiotops wurden am 18. Dezember die Weichen gestellt. Die Sanddüne befindet sich am Wasserwerk Kapsweyer im Bienwald. Dort habe der Storchenverein bereits 1999 erreicht, dass auf einem Teil des Geländes die Kiefern und Birken entfernt wurden und der sandig-kiesige Untergrund freigelegt wurde. Darüber hinaus wurde die Sandfläche auch noch vergrößert. Bei der Pflege des Biotops wollen der Storchenverein, die Landespflege in Neustadt und das Forstamt Hagenbach zukünftig eng zusammenarbeiten, so Taraschewski. Als vierter Partner habe der Verein das Zoologische Institut der Universität Karlsruhe gewinnen können, da das Gelände auch langfristig wissenschaftlich untersucht werden soll. Das Areal habe als Insektenbiotop bundesweite Bedeutung, und von einigen der hier vorkommenden Arten kennt man in Rheinland-Pfalz nur ganz wenige Standorte - so die ungefährliche Kreiselwespe, die Brutröhren in den Sand grabe, in die sie erbeutete Fliegen eintrage.

Das Biotop beherbergt auch eine große Population der Blauflügeligen Ödlandschrecke, wie Taraschewski weiter auflistet. Am Boden sitzend sind die sandfarbenen Insekten fast nicht zu erkennen; fliegen sie jedoch auf, entfalten sie ihre großen, leuchtend blauen Flügel. Das sensible Sandbiotop im Bienwald sollte von Passanten nicht betreten werden. Interessierte können sich aber für eine Führung beim Vorsitzenden des Storchenvereins anmelden, merkt der Ökologe an.

Das dritte Insektenbiotop, das der Verein betreut, liegt am Nordrand des Schweighofener Flugplatzes. Entlang eines Grabens wurden im vergangenen Jahr 3o Abbruchkanten angelegt, die zwei bis drei Meter breit sind. Solche Vertikalstrukturen werden von vielen Wildbienenarten der roten Liste zum Anlegen ihrer Brutröhren benötigt, erklärt der Vereinsvorsitzende den Sinn der Aktion, denn in der heutigen Agrarlandschaft sind Abbruchkanten weitgehend verloren gegangen.

Am Rand des Flugfeldes wurden auch zahlreiche kleine Sandflächen aufgeschüttet. Das Material fiel beim Ausheben von zehn Amphibienteichen an, die im nördlichen Teil des Flugplatzes ausgehoben wurden.

Die Biotope stellen laut Taraschewski die Trittsteine eines neuen Trockenbiotop-Verbundsystems im Viehstrich dar, das der Storchenverein in den nächsten Jahren weiter ausbauen möchte. im Rahmen des jetzt bewilligten Bienwald-Großprojektes sollten sich dazu neue Möglichkeiten eröffnen, hofft der Vorsitzende. (red/rww)


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